#8 – Wer bist du – jetzt?
Wenn Vergangenheit, Gedanken und Rollen still werden – was bleibt genau jetzt?
Vielleicht hast du beim Lesen dieser Texte etwas bemerkt.
Nicht als Erkenntnis.
Eher als kleine Unterbrechung.
Ein kurzer Moment ohne sofortige Antwort.
Ohne Erklärung.
Die Gewohnheit zu antworten
Normalerweise geschieht alles sehr schnell.
Jemand fragt etwas —
und sofort erscheint eine Antwort.
„Ich bin …“
„Ich fühle …“
„Ich denke …“
Das passiert beinahe automatisch.
Als müsste ständig bestätigt werden,
wer du bist.
Aber wer antwortet da?
In den letzten Texten ging es immer wieder um dieselbe Bewegung.
Die Geschichte.
Die Gedanken.
Der Beobachter.
Der Erlebende.
Und vielleicht wurde dabei etwas unsicher.
Nicht dramatisch.
Nur nicht mehr ganz so fest.
Eine einfache Beobachtung
Gedanken erscheinen.
Gefühle erscheinen.
Rollen erscheinen.
Selbst das Gefühl „ich“ erscheint.
Und alles verändert sich.
Ständig.
Trotzdem bleibt etwas gleich
Nicht als Idee.
Nicht als Definition.
Eher etwas sehr Einfaches: Dass all das bemerkt wird.
Genau hier wird es interessant
Normalerweise richtet sich Aufmerksamkeit auf das,
was erscheint.
Auf Probleme.
Gedanken.
Gefühle.
Geschichten.
Aber selten auf das, was all das bemerkt.
Vielleicht, weil es zu nah ist.
Oder weil dort nichts Greifbares gefunden wird.
Der Wunsch nach einer Antwort
Der Verstand liebt Antworten.
Er will etwas Festes.
Etwas, das man sagen kann.
„Das bin ich.“
Doch vielleicht gibt es Fragen, die keine Antwort brauchen.
Weil jede Antwort wieder nur ein Gedanke wäre.
Direkt jetzt
Nicht später.
Nicht nach mehr Verständnis.
Jetzt.
Ohne auf einen Gedanken zu warten:
Wer bist du?
Was geschieht?
Vielleicht kommt sofort etwas hoch.
Ein Name.
Ein Bild.
Eine Stimmung.
Aber das alles wird bemerkt.
Also noch einmal:
Wer bist du — bevor die Antwort erscheint?
Keine Philosophie
Das hier ist keine Theorie.
Keine spirituelle Idee.
Es geht nicht darum, etwas Neues zu glauben.
Nur darum, einen Moment lang nicht sofort wegzugehen.
Nicht sofort in Gedanken.
Nicht sofort in Erklärung.
Vielleicht bemerkst du etwas Seltsames
Dass du dich nicht finden kannst.
Zumindest nicht als etwas Festes.
Alles, worauf du zeigen kannst,
erscheint und verschwindet.
Der Körper verändert sich.
Gedanken wechseln.
Gefühle kommen und gehen.
Sogar das Bild von dir
ist nicht konstant.
Und trotzdem:
Du bist.
Ohne Beschreibung
Vielleicht braucht dieses Sein keine Geschichte.
Keine Rolle.
Keine Identität.
Vielleicht entsteht Leiden genau dort,
wo ständig jemand hergestellt werden muss.
Die stille Erschöpfung
Vielleicht kennst du diese Müdigkeit.
Immer jemand sein zu müssen.
Jemand Besonderes.
Jemand Starkes.
Jemand Gutes.
Jemand Spirituelles.
Die ständige Pflege eines Bildes.
Die ständige Wiederholung von „ich“.
Und vielleicht beginnt genau dort die eigentliche Frage:
Was geschieht,
wenn für einen Moment niemand verteidigt wird?
Keine Lösung
Dieser Text endet nicht mit einer Antwort.
Er kann es nicht.
Denn jede Antwort wäre wieder etwas Gedachtes.
Etwas Beschriebenes.
Etwas, das erscheint.
Vielleicht reicht das
Nur kurz innezuhalten.
Und zu sehen:
Da sind Gedanken.
Da sind Gefühle.
Da ist Wahrnehmung.
Aber wer bist du — jetzt?
Eine stille Öffnung
Vielleicht war die Frage nie dazu da, beantwortet zu werden.
Vielleicht öffnet sie nur etwas.
Eine Unterbrechung.
Einen Spalt im Gewohnten.
Einen Moment ohne feste Identität.
Ohne sofort jemanden daraus zu machen.
Nächste Woche beginnt eine neue Untersuchung.
Nicht mehr nur die Frage selbst —
sondern die Gewohnheit, jemand zu sein.
Wer bist du – jetzt?
— Afschin
☕️ Spendier einen Espresso.
🤎 So bleibt dieser Blog unabhängig.



Je unschärfer die Beschreibung wird, umso klarer kann ich sehen. Merci à vous 🙏